Der Gemmrigheimer Bolzplatz – eine unendliche(?) Geschichte – ich hoffe nicht!

Der Bolzplatz bei der Schulturnhalle ist schon seit Jahrzehnten ein beliebter Ort des Zeitvertreibs für Generationen von Gemmrigheimer Jugendlichen.

Ich selbst kann mich noch lebhaft daran erinnern: Kaum von der Schule zu Hause angekommen, wurden die Turnschuhe angezogen, der Fußball geschnappt, und ab gings auf den „Hartplatz“ oder den „Hardi“, wie wir ihn damals nannten. Ausmachen mussten man diesen Termin mit den Kumpels gar nicht – es war ohnehin klar, dass man dort immer genügend Mitspieler fand. Das war schon immer so. Der Bolzplatz war und ist einer DER Treffpunkte der Jugend am Ort.Der Bolzplatz ist so in der Gemeinde eine wichtige und wertvolle Freizeiteinrichtung. Gerade auch heute, in Zeiten, in denen die Pandemie das Leben und besonders Begegnungen auf dramatische Weise einschränkt, erfüllt der Bolzplatz wichtige Aufgaben. Er ermöglicht Spiel, Spaß, eine sinnvolle Freizeitgestaltung, schafft die Möglichkeit der Begegnung und der Bewegung an der frischen Luft und dient so sogar der Gesundheit. Früher wurde selbst diskutiert, dass die Gemmrigheimer Fußball-Jugendmannschaften insbesondere auch deshalb so erfolgreich waren, weil die Spieler auch außerhalb des eigentlichen Trainingsbetriebs dort regelmäßig fleißig „üben“ konnten.
Aber z.B. auch im Vereinssport des VfL spielt der Bolzplatz eine wichtige Rolle. Der Platz steht als Ausweichmöglichkeit zur Verfügung, wenn die Sportplätze am Neckar z.B. wetterbedingt nicht bespielbar sind. Außerdem haben die VfL-Verantwortlichen die Möglichkeit, mit dem Training ihrer Mannschaften auf den Kunstrasenplatz auszuweichen, wenn in der Liga am nächsten Wochenende ein Spiel auf Kunstrasen ansteht, um sich auf dieses gezielter vorbereiten zu können. Ebenso steht eine Flutlichtanlage zur Verfügung, wenn es im Winter am späten Nachmittag oder frühen Abend vielleicht mal mit Trainingszeiten knapper wird.
Die Gemeinde möchte auch alles tun, diese für Gemmrigheim so wichtige Einrichtung zu erhalten und einen Betrieb auf Dauer sicherzustellen. Das ist ihr schon seit Jahrzehnten ein Ansinnen. Und ich selbst erinnere mich auch heute noch lebhaft an Diskussionen, die in meiner Jugendzeit mit der Gemeindeverwaltung und den damaligen Anliegern zum gleichen Thema geführt wurden.
Im Gegensatz zu früher haben sich die Randbedingungen am Bolzplatz mittlerweile erheblich verändert. Die Wohnbebauung ist sehr viel dichter geworden und noch näher an den Bolzplatz herangerückt. Schon als die Gemeinde die weitere Bebauung um den Bolzplatz herum auf den Weg brachte, war klar, dass es daher zu einem Interessensausgleich zwischen den Nutzern des Bolzplatzes und den Bewohnern im Umfeld kommen muss, denen in diesem Zusammenhang keineswegs der schwarze Peter zugespielt werden soll.
Ein wesentliches Ereignis war in diesem Prozess der „Runde Tisch“, der vor einigen Jahren stattfand. Unter Beteiligung der relevanten Gruppen wurde damals ein Konzept entwickelt, das Basis für die Nutzung des Bolzplatzes sein sollte und mit dem sich alle damals Beteiligten einverstanden erklären konnten. Dazu gehörten die Nutzer aus dem Vereinssport, die Jugendlichen und Freizeitsportler, der Gemeinderat, die Gemeindeverwaltung und die Anwohner. Die wesentlichen Eckpunkte waren, dass der Platz lediglich für das Sporttreiben genutzt werden darf, laute Musik beispielsweise hat zu unterbleiben, auch Vereinssport sollte natürlich weiter möglich sein, und der Platz darf nicht mit Mofas o.ä. befahren werden. Letzteres sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Wie sich zeigte, bedurfte das aber durchaus einer Erwähnung.
Darüber hinaus gab es eine abendliche Schließzeit, und an Sonn- und Feiertagen sollte der Platz mit Rücksicht auf das Ruhebedürfnis der Anwohner nicht benutzt werden dürfen.Gemessen an dem, was in anderen Orten in solchen Fällen Gang und Gäbe ist, sind dies für Nutzer durchaus großzügige Regelungen. Dort sind solcherlei Plätze häufig längst schon für die freie Benutzung gesperrt. Nicht zuletzt das führte ja in der Vergangenheit dazu, dass unser Bolzplatz auch für Freizeitsportler aus anderen Orten sehr interessant wurde.
Seit dem „Runden Tisch“ versucht die Gemeindeverwaltung nun, die damals getroffenen Regeln umzusetzen. Schnell war klar, dass ein Schild, auf welchem diese Regeln abgedruckt sind, hier allein nicht ausreichen wird. Obwohl der Inhalt im Allgemeinen durchaus bekannt war, hatte das Anbringen dieses Schildes eine vernachlässigbare Wirkung gezeigt. Auch, dass der Platz weiterhin mit Mofas befahren, für Partys und entgegen der Bestimmung genutzt und außerhalb der erlaubten Zeiten betreten wurde, war nicht die Ausnahme, sondern die Regel.
So mussten weitere Vorkehrungen getroffen werden, die es verhinderten, dass der Platz befahren werden kann. Unter großem organisatorischem, personellem und letztlich natürlich auch finanziellem Aufwand wurde ein Schließdienst etabliert, der den Platz zu den Öffnungszeiten auf- und danach wieder abschließt.
Das Abschließen allein hilft aber auch nur zum Teil. Natürlich ist jeder halbwegs begabte Kletterer in der Lage, die Umzäunung zu überwinden. Dies hat dann eine Maschinerie in Bewegung gesetzt, wenigstens die einfachsten und am meisten genutzten Kletterwege zu unterbinden bzw. mindestens zu erschweren, was auch nur teilweise erfolgreich war. Zudem musste sich die Verwaltung nun vorwerfen lassen, dass so nun eine deutlich größere Gefahr und ggf. ein größeres Haftungsrisiko besteht: Wenn trotzdem jemand genötigt wird, über den Zaun zu klettern, weil der Platz ja abgeschlossen ist, erhöht sich durch die Maßnahme ja nun die Gefahr für diesen und dessen Verletzungsrisiko.
Die Zeit, die man sich bei der Gemeinde mit dieser Problematik zu beschäftigen hatte, ist mittlerweile in Wochen zu messen. Und das ist keine Übertreibung. Nicht nur Rathausmitarbeiter, Bauhof und Hausmeister, sondern auch ein Sicherheitsdienst und der Gemeindliche Vollzugsdienst sind mit der Einhaltung der Regeln auf dem Bolzplatz beschäftigt bzw. kontrollieren diese zu bestimmten Zeiten.
Die Gemeinde möchte den Bolzplatz für die eingangs schon genannte Nutzung aus - wie wir denken - guten Gründen auch weiterhin zur Verfügung stellen. Wie ebenfalls schon gesagt, haben die Anwohner ein Recht auf Einhaltung der Ruhezeiten und Regeln, die alle Beteiligten am „Runden Tisch“ entwickelt haben, und die so auch bekanntgemacht sind. In diesem Zusammenhang unternimmt die Gemeinde auch all das, was vom Aufwand her noch vertretbar erscheint, damit alles ordnungsgemäß abläuft. Ohne dies scheint es leider nicht zu gehen. Dazu gehörten die baulichen Maßnahmen und die Einrichtung des Schließdiensts. Dieser soll sicherstellen, dass der Platz nur an den erlaubten Zeiten geöffnet ist.
Der Schließdienst wird aber von Menschen durchgeführt. Die haben auch mal Urlaub oder sind mal krank. Das eine oder andere kann man planen, manchmal klappt das auch nicht. Hin und wieder passiert auch mal ein Fehler, oder die Sicherstellung eines Schließdienstes erscheint zu bestimmten Zeiten auch einfach unverhältnismäßig und zu teuer. So ist es derzeit leider auch an Samstagen. Wir hoffen aber, dass das ein Provisorium bleibt. Insofern kann es im Einzelfall auch mal dazu kommen, dass der Schließdienst nicht so wirkt, wie das eigentlich beabsichtigt ist. Dann ist der Platz vielleicht mal zu, obwohl er eigentlich offen sein müsste. Dann sollte die Konsequenz aber nicht die sein, dass ich über den Zaun klettere und mich dabei ggf. sogar verletze. Dann spiele ich an dem Tag vielleicht einfach mal woanders Fußball! Nicht alles, was nicht explizit verboten ist, ist auch immer erlaubt! Zu einer anderen Gelegenheit ist der Platz vielleicht mal offen, obwohl das Schild ausweist, dass der Platz geschlossen sein müsste. Damit ändert sich aber an den Regeln nichts! Das ist dann eben so, und die Benutzung des Platzes bleibt zu der Zeit trotzdem untersagt!
Wir sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem wir uns entscheiden müssen, ob wir den Bolzplatz weiter wie bisher nutzen können. Die Gemeinde möchte dies auch in Zukunft gerne ermöglichen. Den Platz ungeregelt zu betreiben, stellt, wie die Erfahrungen zeigen, keine funktionierende Alternative dar. Ebenso wenig ist aus den verschiedensten Gründen nicht zielführend, den Bolzplatz zum Hochsicherheitstrakt aufzurüsten. Ungeregelter Betrieb oder die Einstellung der Benutzung, kämen einer Kapitulation gleich. Das will niemand.
Mehr Aufwand in die Kontrolle und Umsetzung der geltenden Regeln zu stecken und das Katz-und-Maus-Spiel weiter zu treiben, scheint uns aber auch nicht vertretbar. Das kostet sehr viel Aufwand und letztlich auch Geld. Ein weiterer Betrieb des Bolzplatzes in der dargestellten Form ist nur sinnvoll zu gewährleisten, wenn die bestehenden Regeln eingehalten werden. Und dazu braucht es die Mithilfe aller Beteiligten.Dass sich Kinder und Jugendliche hier das eine oder andere Mal die Regeln brechen, mag durchaus noch nachvollziehbar sein. Wir waren alle mal jung. Vielleicht können hier aber insbesondere die Eltern darauf hinwirken, dass die Kinder erkennen, dass bestehende Regeln einfach einzuhalten sind. Das scheint mir allemal sinnvoller als die schon live erlebte Alternative, den Kindern sonntagnachmittags Hilfestellung beim Überklettern des Zaunes zu leisten oder dem Anwohner, der auf die Schließzeit aufmerksam macht, mit „Konsequenzen“ zu drohen. Denen bliebe dann eigentlich nur, die Polizei zu holen. Und die hat doch sicher besseres zu tun?!
Hier kommt man nicht mit dem Schüren von Konflikten, sondern nur mit gegenseitigem Verständnis und der Akzeptanz bestehender Regeln weiter. Und, wenn man genau überlegt – auch das ist wieder gelebte Solidarität!Die wichtigsten derzeit geltenden Regeln für den Bolzplatz im dargestellten Kontext seien hier nochmal zusammengefasst:

  • Der Bolzplatz ist sonn- und feiertags (und bis auf weiteres leider auch an den Samstagen) geschlossen. An diesen Tagen darf er nicht genutzt werden! 
  • Die Nutzungszeit des Bolzplatzes für private Nutzung endet um 20 Uhr! 
  • Alkohol- und Drogenkonsum ist verboten! 
  • Der Bolzplatz darf nicht mit Fahrrädern oder motorbetriebenen Krafträdern befahren werden.
  • Laute Musik und unnötiger Lärm sind im Hinblick auf die Anwohner zu vermeiden. 
  • Jegliches Beklettern und Betreten der Umzäunung sowie der Drehtüren ist verboten.

Damit sei an dieser Stelle genug gesagt. Der eine oder andere mag sich wundern, warum ein vermeintlich unscheinbares Problem so viel Platz im Amtsblatt einnimmt. Für viele direkt Beteiligte ist das Problem aber durchaus bedeutend. Und gemessen an der Zeit, dem Aufwand und der Emotion, die hier schon eingeflossen sind, fällt dieser Umfang wahrlich kaum ins Gewicht. Es ist ein weiterer Versuch, die Sache erfolgreich in die Zukunft zu bringen. Und den prinzipiellen Problemen, die hier eine Rolle spielen, begegnen wir leider an vielen anderen Stellen auch.
Und zuletzt: Dass derzeit auch die Corona-Pandemie einen großen Einfluss auf die Benutzung des Bolzplatzes hat und insbesondere einschränkende Einflüsse zeitigt, ist hier noch nicht mal erwähnt. Auch darüber lohnt es sich, einmal nachzudenken. Über 30 Eltern und Kinder gleichzeitig auf dem Bolzplatz sind einfach zu viel!
Wir setzen nun auf die Unterstützung aller Beteiligten. Halten Sie sich an die für den Bolzplatz geltenden Regeln.Damit der Bolzplatz noch möglichst lange allen zur Verfügung steht, danke ich für Ihr Verständnis und Ihre Mithilfe!

Bleiben Sie gesund!

Dr. Jörg Frauhammer
Bürgermeister